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Ausgabe Nr. 75 vom 19. November - 2. Dezember 2008
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Noch immer kein neuer Steg im Masca-Barranco



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18.09.2008 - - Der Barranco de Masca gehört sicherlich zu Recht zu den Top-Wanderzielen auf Teneriffa, bietet er doch eine grandiose Landschaftskulisse zusammen mit einem Weg, den man – im Gegensatz zu manchen anderen Routen auf dieser Insel – keinesfalls verfehlen kann. Eine Wanderung auch für spontan Entschlossene, auf die in fast jedem Führer hingewiesen wird. Die Schwierigkeiten des Weges hielten sich, zumindest bis zu den Waldbränden des vergangenen Jahres, auch in Grenzen, zumal die einzig schwierige und je nach Lage auch gefährliche Stelle schon in der Zeit entschärft war, als man noch Masca nur zu Fuß über die gut 400m höher gelegene Degollada de Cherfe erreichen konnte. Der v-förmige steile Einschnitt am Beginn der Schlucht war jederzeit durch den kleinen Steg darüber in beiden Richtungen passierbar.
Seit dem Brand 2007 ist der Steg zerstört. Ein amtliches Schild am Beginn des Weges verkündet die Schließung desselben und dass er nur auf eigene Verantwortung begehbar sei. Hilfreiche Geister haben auf der Nordseite des Einschnitts ein 5 – 6 m langes, am Boden verlaufendes waagerechtes Geländerseil angebracht, das beim Hineinqueren in den Einschnitt Sicherheit vermitteln soll. (Wer an dieser Stelle mit den Füßen wegrutscht, braucht allerdings gute Reflexe und viel Kraft in der linken Hand, um nicht abzustürzen.) Am Ende des Geländers hängt der Rest des Seils frei abwärts in den Einschnitt, allerdings nicht bis zum Grund. Für Erwachsene reicht es allerdings, um sich bis zum Grund des Einschnitts zu hangeln. (Ob diejenigen, die dieses Provisorium installiert haben, sich dar-über klar sind, dass sie damit nach europäischem Recht für die Sicherheit des Weges haften, weiß ich nicht und will ich auch nicht erörtern.)
Auf der gegenüberliegenden ebenso steilen Seite des Einschnitts fehlt jegliche Hilfe, obwohl sie dort nach der Gefährdungslage mindestens genauso erforderlich wäre. Man muss seinen Aufstieg über abschüssige, von sandig-feinkiesigem Lavagrus bedeckte Trittstellen im Fels selbst suchen. Solche Stellen sind zwar von den meisten Menschen noch im Aufstieg zu bewältigen, aber im Abstieg für nicht Trittsichere ohne angemessenes Schuhwerk unpassierbar. Für die meisten Wanderer, die diese Stelle gemeistert haben, ist damit anschließend kein Rückweg mehr möglich. Der Barranco de Masca ist derzeit für sie eine Mausefalle, der sie nur mit Hilfe der „Fischerboote“, die natürlich schon lange keine Fischerboote mehr sind, entkommen können.
Das Cabildo mag ja bei der Behebung der Brandschäden andere Prioritäten setzen, aber es passt nicht zusammen, einerseits mehr ökologisch vertretbaren Tourismus anzustreben, andererseits aber eine der wichtigs­ten, weil gefragtesten Wander-routen als Provisorium bestehen zu lassen.
Bevor man die Stelle mit dem Seilgeländer erreicht, passiert man in Masca an einer Bodega einen Schiffsfahrplan mit den Abfahrzeiten an der Playa de Masca. Der Hinweis, man könne hier die Fahrkarten erwerben, fehlt auch nicht. Welche Hand hier welche wäscht, weiß ich nicht. Ein Schelm, wer Schlimmes dabei denkt.
Ob der regelmäßige Schiffsverkehr die Ruhemöglichkeiten der Walpopulationen im Westen vor Teneriffa unberührt lässt, mögen die Meeresbiologen beurteilen, sofern die Tiere sich an deren wissenschaftliche Statements halten.
Bedenkt man, dass die Wanderung um gute 400 Höhenmeter sowohl im Auf-, als auch im Abstieg erleichtert worden ist, seit es die Straße bis zum Ort gibt, fällt es dem Ortskundigen schwer, daran zu glauben, der Rückweg nach Masca sei nicht zumutbar. Auch im Anstieg lernt man die Insel und ihre interessanten (Ein-)Blicke kennen. Fast-food war noch nie ökologisch – auch nicht beim Wandern.
Damit keine Missverständnisse aufkommen:
1. Als alpiner Bergführer kann ich diese Stelle selbstverständlich ohne jede technische Hilfe in beiden Richtungen begehen. Aber es gehört zu meinen Aufgaben, die Begehbarkeit einer Passage für „Normalsterbliche“ so einzuschätzen, dass diese keiner vermeidbaren Gefährdung ausgesetzt werden.
2. Ich kenne den Barranco von Masca schon seit den 1960er Jahren, darf mich also durchaus als ortskundig betrachten.
Der Familie mit Kindern, die von mir kürzlich den Barranco hinab geführt werden wollte, habe ich jedenfalls guten Gewissens andere, vom Erlebniswert vergleichbare Touren angeboten, von denen Teneriffa reichlich hat. Sie sind nicht enttäuscht worden. Aber den Barranco de Masca werde ich solange meiden, bis er wieder im Ab- und im Aufstieg sicher und ohne Fahrkartenbindung begehbar ist.

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