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Ausgabe Nr. 74 vom 5. - 18. November 2008
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Forscher fotografierten im Süden Teneriffas erstmals, wie ein Grindwal einen Riesenkalmar verspeiste

Tiefseemonster auf dem Speiseplan

Erstmals ist es Wissenschaftlern gelungen, durch Foto- und Filmaufnahmen zu belegen, dass die Monster der Tiefsee – Riesenkalmare – tatsächlich auf dem Speiseplan der vor der kanarischen Küste lebenden Grindwale stehen.

FU International Academy Teneriffa

Der „besondere“ Schnappschuss ist Mitarbeitern der SECAC gelungen.
Galerie© EFE
Der „besondere“ Schnappschuss ist Mitarbeitern der SECAC gelungen.
24.08.2007 - Teneriffa - Mitarbeiter der Sociedad para el Estudio de los Cetáceos (SECAC), die das Leben der Meeressäuger auf dem Archipel erforschen, haben einen indischen Grindwal dabei beobachtet, fotografiert und gefilmt wie er einen Riesenkalmar vertilgt. Durch diese Aufnahmen, die in Gewässern im Süden von Teneriffa entstanden, wird erstmals nachgewiesen, dass auch Grindwale die Monster der Tiefe fressen. Bislang wurde angenommen, dass nur Pottwale sich von Riesenkalmaren ernähren, da der Mageninhalt gestrandeter Pottwale verschiedentlich Reste dieser Kopffüßer aufwies.
Vidal Martín, Vorsitzender des Meeressäuger-Forschungsverbands, berichtete, dass die Forscher im Juni während sie eine Grindwalkolonie im Süden Teneriffas beobachteten mit Erstaunen sahen wie einer der Wale aus dem Wasser tauchte und dabei Sprünge vollführte. „Als wir unsere Aufmerksamkeit auf dieses Tier richteten, bemerkten wir, dass der Wal den Arm eines Riesenkalmars im Maul hatte. An seinem Körper hafteten außerdem weitere Teile des Tiefseekraken, die der Wal durch wiederholtes Auftauchen und Sprünge löste, um sie anschließend zu vertilgen“, erklärte Martín. Nun bleibt festzustellen, ob diese Aufnahmen nur Zufallstreffer waren oder ob Riesenkalmare tatsächlich auf dem Speiseplan der Grindwale stehen.
„Es gibt unzählige Legenden und Mythen über diese Monster der Tiefsee und es handelt sich weiterhin um eine unerforschte Spezies. In den letzten Jahren haben verschiedene Expeditionen mit mäßigem Erfolg versucht, lebende Exemplare zu fotografieren. Ebenso kaum erforscht sind die Meerestiefen rund um die Inseln, obwohl der Süden Teneriffas ideale Bedingungen bietet, um nach Riesenkalmaren zu suchen“, stellt Martín weiter fest.

Bis zu 20 m lange und 1.000 kg schwere Seeungeheuer

Riesenkalmare verfügen über zehn Arme, wovon zwei zu Tentakeln umgebildet sind. Die Forscher schätzen, dass der Grindwal im Süden Teneriffas einen Riesenkalmar von etwa fünf Metern länge verschlang. Obwohl die verschiedensten Angaben über die Größe der Riesenkalmare gemacht werden und anhand toter Exemplare die tatsächliche Länge ihres Körpers aufgrund der erstaunlichen Dehnfähigkeit des Gewebes nur schwer festgestellt werden kann,     sollen die Monsterkraken bis zu 20 m lang und 1.000 kg schwer werden.
An der Meeresoberfläche im Süden Teneriffas wurden bereits mehrfach tote Riesenkalmare gesichtet. Zwei Exemplare – 7,5 und 8 m lang – sind im Museum der Meeressäuger in Lanzarote ausgestellt. Eine Nachbildung eines Riesenkalmars können auch Besucher des Museums der Naturwissenschaften (Museo de la Naturaleza y el Hombre) in Santa Cruz de Tenerife bestaunen.
Vidal Martín erklärt, dass eines der Exemplare, die im Museum auf Lanzarote ausgestellt sind, einer Gruppe von Grindwalen weggenommen wurde, die damit spielten. „Damals nahmen wir an, dass der Riesenkalmar schon tot war, bevor ihn die Grindwale zu fassen bekamen, und wir dachten, dass die Wale nur mit dem leblosen Körper spielten, doch nun scheinen sich die Puzzleteile zusammenzufügen“, sagt Martín.
Die Wissenschaftler haben außerdem herausgefunden, dass die Grindwale viel tiefer abtauchen können als bislang angenommen. Mit Hilfe von Tiefenmessern, die mit Saugnäpfen an den Tieren befestigt wurden, stellten Forscher der SECAC und der Universität La Laguna fest, dass diese Meeressäuger bis zu 1.200 tief tauchen können, wenngleich sie meist nicht tiefer als 800 oder 900 m abtauchen. Im Gegensatz zu anderen Meeressäugern wie z.B. Pottwalen tauchen Grindwale erstaunlich schnell ab. Ihre Tauchgänge dauern meist nicht länger als 22 Minuten und nach dem Auftauchen benötigen sie eine „Verschnaufpause“ von etwa fünf Minuten, bevor sie erneut in die dunklen Tiefen des Ozeans vordringen.
Die Wissenschaftler des SECAC beobachten im Süden Teneriffas eine Kolonie von etwa 40 Grindwalen, die sie an ihren Rückenflossen erkennen.








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