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Ausgabe Nr. 75 vom 19. November - 2. Dezember 2008
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Home > Kanarische Inseln > Nachrichten > Umwelt > Wohin mit einer halben Milliarde Plastiktüten?

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Auch die Kanaren beschäftigt das unerwünschte Abfallprodukt der Kunststofftüten im Handel

Wohin mit einer halben Milliarde Plastiktüten?

Kunststofftüten werden angesichts der drohenden Umweltkatastrophe zu einem immer lästigeren Restprodukt und zu einem großen Entsorgungsproblem.



Plastiktüten frei von Titan
Galerie© Alcampo
Plastiktüten frei von Titan
10.08.2008 - Kanarische Inseln - Wer hat nicht eine mit Plas­tiktüten gefüllte Schublade zu Hause, die ständig überfüllt ist? Manche verwerten die Einkaufstüten aus Plastik als Müllbeutel, andere werfen sie achtlos in den Müll.
Auch in Spanien sind sich Umweltschutzverbände und die Regierung einig, dass es sich bei den Kunststofftüten um ein äußerst unerwünschtes Abfallprodukt handelt, dessen Entsorgung bzw. Wiederverwertung ein ernsthaftes Problem darstellt.
Während die Umweltschützer gnadenlos ein Verbot für Plastiktüten im Handel bzw. die Einführung einer Gebühr pro Tüte und harte Strafen für „Tütensünder“ fordern, äußert sich die Regierung nicht ganz so deutlich und lässt lediglich verlauten, „man untersuche die Lage“.

238 Kunststofftüten pro Einwohner und Jahr

Nach Auskunft der Grünen verwendet jeder Spanier 238 Kunststofftüten pro Jahr, was die Gesamtziffer von 10,7 Milliarden ergibt. Auf den Kanaren leben laut Statistikamt (Stand 1.1.2007) 2.025.951 Personen, die jedes Jahr folglich 482.176.338 Plastiktüten benutzen. Wenn man von jährlich 10 Millionen Touristen ausgeht und dies hinzurechnet entsteht locker eine erschre­ckend hohe Zahl.
Der Generaldirektor für Umweltqualität der kanarischen Regierung, Emilio Atiénzar, gibt zu, „dass es sich um ein ziemlich kompliziertes Thema“ handelt – einerseits wegen des Umweltproblems an sich, andererseits wegen der Mülltrennung und -entsorgung bzw. -recycling. Theoretisch müssten Plas­tiktüten in den für Kunststoffmüll vorgesehenen gelben Containern entsorgt werden und dadurch in den Recyclingkreislauf des sogenannten „sistema de  gestión integrado“ gelangen. Das wird nach dem Motto „Wer verschmutzt, zahlt“ von den Herstellern von Plastikverpackungen mitfinanziert.
„Bei den Plastiktüten taucht allerdings das Problem der anonymen Tüten auf, denen kein Hersteller nachgewiesen werden kann, und desweiteren zahlen viele Hersteller von Tüten bislang nicht in das Recyclingprogramm ein, weil die Tüten nicht als Verpackungen gelten“, erklärte Atiénzar. Auf diese Weise entstehe ein bürokratisches, wirtschaftliches aber auch umweltschädigendes Problem, denn es könne zu einem Einnahmendefizit kommen, das wiederum das korrekte Recycling verhindert.
Heute sind etwa 0,3% des gesamten Mülls, der in den kanarischen Müllkippen landet, Kunststofftüten. Immerhin ist in die Müllsortieranlage ein System integriert, das Folien automatisch herauszieht und so vom restlichen Müll trennt und eine Verwertung als Recyclingmaterial zulässt. Die einzige Müllverwertungsanlage, in der dieses System noch nicht installiert wurde, sei auf Lanzarote, erklärte Atiénzar.
Das Problem der Plastiktüten wird nun auch im spanischen Hausmüllplan berücksichtigt.
So hat sich die Regierung das Ziel gesetzt, mindestens 70% der nicht biologisch abbaubaren Plastiktüten durch solche zu ersetzen, die biologisch abbaubar sind. Außerdem soll die Bevölkerung zur Benutzung von Stofftüten aufgefordert und in den großen Supermärkten wiederverwendbare Tüten angeboten werden.

Gebühr vorerst ausgeschlossen

Emilio Atiénzar versicherte, dass auf den Kanaren derzeit eine Gebühr für Plastiktüten ausgeschlossen wird. Obwohl die Amerikaner nicht unbedingt als Vorbild in Sachen Umweltschutz gelten, könnte man sich doch ein Beispiel an San Francisco nehmen. Dort wurde im vergangenen Jahr vom Stadtrat ein Verbot von Plastiktüten in großen Lebensmittelläden eingeführt.

ALCAMPO macht einen ersten Schritt nach vorn

2004 lancierte die Supermarktkette Alcampo durchsichtige Plastiktüten, die die herkömmlichen weißen Plastiktüten ersetzten. Diese durchsichtigen Tüten sind weniger umweltschädlich, weil sie frei von Titan sind. Außerdem bietet Alcampo den Kunden wiederverwendbare grüne Plastiktüten, für die ein einmaliger symbolischer Preis verlangt wird und die Alcampo danach bei Bedarf durch neue ersetzt. Dennoch erscheint die Zahl der Plastiktüten pro Einkauf eine Verschwendung. Vom deutschen Modell der Stoff­einkaufstaschen oder Körbe sind die Spanier noch weit entfernt.








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