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Ausgabe Nr. 75 vom 19. November - 2. Dezember 2008
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Fleischimporteure warnen vor drastischen Preiserhöhungen durch EU-Importstopp für brasilianisches Rindfleisch

Rindfleisch vermutlich bald kostbarer Luxus

Nachdem die EU Ende Januar ihre Drohung ernst gemacht und einen vorläufigen Importstopp für Rindfleisch aus Brasilien verhängt hat, fürchten die Fleischimporteure auf den Kanaren nun gravierende Folgen. Brasilien ist bekanntlich der größte Lieferant für Rindfleisch in Europa und auf den Kanarischen Inseln verhält es sich nicht anders.



24.02.2008 - Kanarische Inseln - Hier werden nach Auskunft der Fleischimporteure jährlich 40.000 Tonnen Rindfleisch konsumiert und 80% der Gesamteinfuhren stammen aus Brasilien. Grund genug für die Importeure, sich Sorgen zu machen. Sie haben eindringlich davor gewarnt, dass spätestens ab März das Rindfleisch aus Brasilien knapp werden und folglich den Preis erheblich in die Höhe treiben wird.
„Egal was unsere Viehwirte sagen, der spanische Markt wird die Nachfrage nicht decken können, und auch die 25%, die Länder wie Uruguay höchstens liefern könnten, werden nicht genügen“, versicherte Francisco Gómez, Präsident des Verbands kanarischer Fleischimporteure (Adican). „Die knapp 4.000 Tonnen Eigenproduktion des Archipels sind ein Klacks verglichen mit dem Jahreskonsum von 40.000 Tonnen. Das Problem ist, dass die EU etwa 20% des Rindfleisches importiert und die übrigen 80% selbst produziert.
Auf den Kanaren ist es genau umgekehrt“, erklärte Gómez. Sollte man versuchen, den Bedarf in den nächsten Monaten durch Fleisch­importe aus der EU zu decken, würde dies den Kilopreis verdoppeln, warnt er. Adican erinnert außerdem daran, dass nicht nur die Bevölkerung unter der Fleischknappheit bzw. den hohen Preisen zu leiden haben, sondern auch die Tourismusbranche ernsthafte Probleme bekommen wird. In den Hotelküchen wird es wohl schwierig werden, das dem Gast versprochene kulinarische Angebot zu halten. „Wie wollen die Hotels ihre Gäste verköstigen und gleichzeitig die bereits zugesagten Preise halten?“ fragt sich Francisco Gómez. Sollte also die EU nicht schnellstens den Importstopp aufheben, werde es seiner Meinung nach zu erheblichen Versorgungsengpässen und einer daraus folgenden enormen Verteuerung kommen.
Während die Fleischimporteure Alarm schlagen, machen sich die Metzgereien keine Sorgen um die Versorgung. „Es gibt genügend Fleisch und es wird auch in Zukunft nicht ausgehen“, ist die einhellige Meinung. In manchen Supermärkten ist das Rindsfilet aus Brasilien sogar noch im Angebot. Die ausfallenden Importe aus Brasilien sollen durch Einfuhren aus Drittländern wie Uruguay oder Argentinien ausgeglichen werden, „und der Verbraucher wird bis auf die Preisänderung kaum etwas davon mitkriegen“, vermutete der Betreiber einer Metzgerei. Die großen Verlierer werden die Restaurants sein, die bereits miterleben mussten wie der Kilopreis für brasilianisches Rindsfilet in einem Monat von 12 oder 13 Euro auf 20 Euro gestiegen ist. Branchenkenner versichern außerdem, dass die Importeure Rindfleischlieferungen aus Brasilien bereits mit Preisaufschlägen von 20 bis 25% belegt haben.
Die Handelskammer der Provinz Santa Cruz de Tenerife hat über ihre Kommission für europäische Angelegenheiten beschlossen, bei der EU den Einsatz eines ständigen Fortsetzungsausschusses zu beantragen, um die Kontrollen in den Rinderbetrieben zu beschleunigen und so eine schnelle Aufhebung des Importstopps zu erwirken.

Hintergrund

Die Europäische Union hatte Ende Januar nach monatelangen Auseinandersetzungen wegen mangelnder Kontrolle der Schlachttiere und der Fleischprodukte sämtliche Rind-fleisch­importe aus Brasilien gestoppt. Hintergrund ist die Angst vor der Maul- und Klauenseuche. Drei brasilianische Regionen sind von der ansteckenden Tierkrankheit betroffen, und die brasilianischen Behörden sind der Forderung der EU nach einer nachprüfbaren Liste der Hersteller, deren Rinderbestände frei von MKS sind, nicht nachgekommen. Die EU verlangt eine lückenlose Rückverfolgung jedes einzelnen Schlachttiers, was bislang nicht erfolgte. Nach Auskunft der Nachrichten­agentur AFP hat die brasilianische Regierung unterdessen zugegeben, dass mehrere Betriebe bei Fleischexporten in die Europäische Union gegen Hygienebestimmungen verstoßen haben. Fleischausfuhren, die bis Ende Januar bereits ordnungsgemäß in Brasilien abgefertigt wurden, dürfen noch bis zum 15. März eingeführt werden.
Wie lange der Importstopp gilt, liegt in der Hand der brasilianischen Behörden. Die EU wird zumindest so lange nicht nachgeben bis Brasilien die Auflagen erfüllt.
Brasilien ist mit jährlich 2,3 Millionen Tonnen der weltgrößte Rindfleisch-Exporteur.








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